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B-Fair überwindet Hindernisse
Jeanette Orlando (l.) und Aynur Ötztürk wissen, worauf es bei „B-Fair“ ankommt. Foto: Andre Chrost

B-Fair überwindet Hindernisse

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Angelika Herstell

In der besonderen Frauen-Beratungsstelle B-Fair des Diakonischen Werks im Kreis Recklinghausen spielen körperliche, geistige, psychische und sprachliche Beeinträchtigungen keine Rolle. Ein faires Angebot.

Viele der Beschäftigten der Recklinghäuser Werkstätten haben schon an Workshops von B-Fair teilgenommen. Beim allerersten Treffen ging es darum, gemeinsam herauszufinden, was eine gute Beratung für Frauen mit Handicap ausmacht – aus Sicht der Frauen, um die es geht. Denn so kann das Beratungsangebot bestmöglich gestaltet werden. „Die Frauen sind Expertinnen in eigener Sache“, sagt B-Fair-Ansprechpartnerin und Pädagogin Janet Orlando. So sei es den Frauen besonders wichtig, dass ihre Beraterinnen Zeit hätten, ihnen wirklich zuhörten.

Berater müssen uns ausreden lassen

Aynur Öztürk, die in der Arbeitsgruppe mitgewirkt hat, sagt: „Sie müssen uns ausreden lassen und vor allem wirklich mit uns reden – und nicht mit einer Begleitperson.“ Die 56-Jährige ist ein Energiebündel. Mobil mit Bus und Bahn, kommt sie überall hin. „Um das zu lernen, habe ich mir mal viele Fahrpläne abfotografiert und mich dann intensiv damit beschäftigt.“ Auch zu B-Fair fährt sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Beim Workshop zum Thema Selbstbehauptung war sie ebenso dabei. Aynur Öztürk hat das großen Spaß gemacht. Es ging unter anderem darum, Aggressoren mit Gesten und lautem Rufen entgegenzutreten, sich stark zu fühlen und stark zu zeigen, Stopp zu sagen. Aynur Öztürk sagt, dass ihr das tatsächlich schon einmal an einer Bushaltestelle geholfen habe, als ihr jemand zu nahe kam.

Eine B-Fair-Botschafterin

In der Glückauf-Werkstatt in Herten, in der sie arbeitet, ist Öztürk Frauenbeauftragte. Sie hilft Kolleginnen und auch Kollegen bei jedwedem Problem, ist gut erreichbar und wird aktiv, wenn sie etwas bewirken kann. Im Projektbeirat von B Fair ist sie ebenso vertreten. „Ich arbeite gerne mit“, sagt sie. „Und ich möchte alles, was ich hier lerne und erfahre, an die Frauen in meiner Werkstatt weitergeben.“ Am liebsten möchte sie selbst Beraterin werden. Aynur Öztürk gestaltet also B Fair aktiv mit; sie nutzt das Angebot, und sie ist auch eine Art Botschafterin des Projekts.

B-Fair soll durch den regen Austausch mit anderen Frauenberatungsstellen auch einen Beitrag dazu leisten, dass alle Beratungsstellen in Zukunft auf Menschen mit Beeinträchtigung eingestellt sind, dass sie B-Fair in ihren Beratungsalltag integrieren. „Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg“, sagt Karin Hester. Der Leiterin des Bereichs „Hilfen für Frauen“ beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis ist es wichtig, dass Frauen mit Handicap sich verteidigen können. „Viele schätzen brenzlige oder bedrohliche Situationen nicht richtig ein. Sie haben außerdem nie gelernt, sich zu wehren und kommen in der Regel auch nicht auf die Idee, zur Polizei zu gehen. Abgesehen davon gibt es auch Frauen, die einfach nicht sprechen können. Auch ihnen können wir helfen.“

Reden mit Bildkarten und Emojis

Dazu gibt es bei B-Fair Bildkarten und Emotionssteine. Die Steine sind Gesichter, die facettenreich Gefühle zeigen, so wie Emojis. Und die Bildkarten helfen dabei, etliche mögliche Situationen widerzuspiegeln: von Bedrohungssituationen bis zu sexualisierter und digitaler Gewalt. Aynur Öztürk kennt Frauen, denen die Steine schon geholfen haben. „Die Steine sagen 1000 Wörter“, sagt sie. „Das ist gut für Leute, die nicht reden können. Für mich ist Augenhöhe wichtig. Auch das ist mit den Karten und den Steinen möglich.“ 

Info Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen

Elper Weg 89
45657 Recklinghausen

www.diakonie-kreis-re.de

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