Der 31-jährige Djamel Ayad kümmert sich seit gut einem Jahr bei den Hertener Stadtwerken um Energieeffizienz. Nun hat der TÜV Rheinland das Unternehmen nach ISO-Norm 50001 zertifiziert.
Djamel Ayad schaut auf eine Tabelle mit über 200 Zeilen; jede steht für einen Verbraucher beim Freizeitbad Copa Ca Backum, angeführt von der Sternenhimmelsauna, die allein schon für sechs Prozent des Gesamtenergiebedarfes des Freizeitbades verantwortlich ist. Aber auch die vielen Pumpen fallen deutlich ins Gewicht.
Anfang 2025 hat der Energiemanagementbeauftragte der Hertener Stadtwerke begonnen, alle wesentlichen Energieverbraucher im Unternehmen zu erfassen, um mögliche Einsparpotenziale zu identifizieren. Ayad koordiniert ein insgesamt fünfköpfiges Team, das sich aus Mitarbeitern der Hertener Bäder, der Stadtwerke-Hauptverwaltung und des Kundenzentrums in der Innenstadt zusammensetzt. „Ziel ist nun, jedes Jahr etwas besser zu werden“, so Ayad, aber auch den Verbrauch mit zusätzlichen Zählern noch genauer zu erfassen.
„Energieeffizienz war bei uns schon immer Thema“, ergänzt Stadtwerke-Geschäftsführer Thorsten Rattmann. „Anfang 2024 kam die internationale Norm ISO 50001 nach dem Energieeffizienzgesetz hinzu.“ Diese verpflichtet Unternehmen ab einem Endenergieverbrauch von 7,5 GWh, ein Energiemanagementsystem ein zurichten und sich zertifizieren zu lassen. Mit einem Verbrauch von etwa 16,5 GWh pro Jahr liegen die Hertener Stadtwerke deutlich darüber. Grund dafür ist vor allem der energieintensive Bäderbetrieb von Copa Ca Backum und Sportbad Westerholt.
Hochmotiviert
Nun ist die Erstzertifizierung abgeschlossen; Thorsten Rattmann nahm am 2. Februar das TÜV-Zertifikat von Pascal Füchtenhans, Field Sales Executive beim TÜV Rheinland, entgegen. Vorausgegangen war ein einwöchiges Audit Ende 2025, in dem sich der TÜV von der Umsetzung aller internationaler Standards überzeugte. „Wir sind auf ein hochmotiviertes Team getroffen und hatten keine Beanstandungen, sondern nur ein paar Hinweise, die dankbar aufgenommen wurden“, so Füchtenhans.
Dabei gebe es keine klar definierten Einsparvorgaben, erläutert Djamel Ayad; es gehe darum, die relevanten Verbräuche überhaupt einmal zu erfassen, und um eine kontinuierliche Verbesserung, sofern wirtschaftlich vertretbar. Nicht immer sind Investitionen nötig, sagt der junge Hertener, der nach seinem Management and Economics-Studium 2020 bei den
Hertener Stadtwerken anfing und sich zunehmend auf Energieeffizienz spezialisierte. „Auch die Optimierungen bestehender Prozesse, etwa ein späteres Einschalten der Saunaöfen oder regelmäßige Wartungen, können erhebliche Einsparungen bewirken. Gleichzeitig motivieren wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Ressourcen zu schonen und eigene Vorschläge einzubringen.“
Ansporn und Verpflichtung
„Die Zertifizierung ist für uns Ansporn und Verpflichtung zu gleich, die Hertener Stadtwerke dauerhaft so energieeffizient wie möglich aufzustellen“, betont Geschäftsführer Thorsten Rattmann. Jährliche Überwachungs-Audits sichern die kontinuierliche Verbesserung bis zur Re-Zertifizierung im Jahr 2028. Für Djamel Ayad bietet der Prozess ein spannendes neues Aufgabengebiet und Chancen, sich im Unternehmen weiterzuentwickeln: „Man kriegt einen guten Einblick in alle Bereiche und Prozesse. Die Arbeit ist sehr facettenreich.“