Oft ist die Autobahn für Linda Borkenstein-Wiechmann das Zuhause, denn sie fährt schwere Fracht für die Hertener Spedition Klaeser. im Gespräch erklärt die Truckerin, wie sie Beruf, Familie und Privatleben unter einen Hut bekommt.
Kurz vor unserem Termin im Hertener Industriegebiet schickt Linda eine Nachricht. Sie hat mit ihrem Tanklastzug Malonsäure (flüssige Chemikalien) zur Firma Henkel gefahren, woraus später Waschmittel hergestellt wird. Wegen Verzögerungen bei der Abfertigung der dazugehörigen Papiere plus zusätzlichem Stau auf der Autobahn kommt sie etwa eine halbe Stunde später. Für uns nicht schlimm, für sie Arbeitsalltag. „Ich habe drei Kinder und wenn da zum Beispiel ein kleiner Unfall passiert, da bin ich natürlich schnell zu Hause – aber das geht nicht immer.“
Fahrten nach Holland
Vor zwei Jahren hat die 38-Jährige den LKW-Führerschein gemacht und die Kosten dafür aus eigener Tasche bezahlt. „Das waren 6.500 Euro“, so sagt sie, „und ich bin wirklich froh, dass ich das gemacht habe. Aber ich werde auch manchmal für meinen Beruf belächelt,." Einen 40-Tonner durch Staus, Termindruck und Kunden-Erwartungen zu lenken ist nicht immer einfach, „aber mein Job wird respektiert“, sagt Linda – und das ist für sie am wichtigsten. Am liebsten fährt sie Aufträge in die Niederlande: „Das Land gefällt mir einfach – die Raststätten haben dort eine ganz andere Qualität, als bei uns – und es gibt auch viel weniger Staus.“
Erst Autobahn – dann die Familie
Diesen Sommer fliegt Linda mit ihren Liebsten nach Ägypten, ihre Partnerin ist dann natürlich auch dabei. Und die ist ebenfalls Lastwagen-Fahrerin. „Wir tauschen uns sehr viel aus – wenn sie jetzt einen Neukunden hat, den ich schon kenne, dann fragt sie mich zu bestimmten Betriebsabläufen. Oder wir geben uns Tipps, wie man einen Stau umfahren kann.“ Linda ist sehr zufrieden in ihrem beruflichen Umfeld, sie betont: „Wenn ich bestimmte Termine mit den Kindern habe und mal frei brauche, wird auf meine Bedürfnisse Rücksicht genommen – ich bin darüber sehr froh und dankbar, weil das nicht von jedem Arbeitgeber so gehandhabt wird.“ Doch jetzt ist erstmal Feierabend.