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Wechselbad der Endorphine
Foto: privat

Wechselbad der Endorphine

Lesedauer: ca. 3 Min. | Text: Karoline Jankowski

Wir haben ausprobiert, was den Winter erträglicher macht: Warmes, Kaltes und alles dazwischen – Hauptsache, es tut etwas für Körper, Kopf oder Laune. Sauna, Sole, Kältekammer, Eisbad: ein kleines Temperatur-Buffet, das mehr kann, als nur den Kreislauf wachzuklingeln.

Im Kalten Stärke finden

Eisbaden ist für Anita Horn kein Trend, sondern Training und Ritual. Unter fünf Grad Wassertemperatur findet sie genau das, was sie sucht: ein kurzer, kontrollierter Schock, der Körper und Kopf sortiert. Dann stellt der Körper um – Atmung wird tiefer, Stresshormone sinken, das Immunsystem fährt hoch. „Man kommt anders raus, als man reingegangen ist“, sagt sie. Ihre erste Erfahrung: 2016 in Island, als sie „schwimmen gehen“ sollte – und plötzlich an einem Fjord stand, zwischen fröhlichen Einheimischen in Shorts, während ihr das Wasser allein beim Hinsehen die Zehen gefrieren ließ. Ihr erster Dip dauerte Sekunden, aber er blieb hängen. Eisbaden kann jeder testen, aber nicht ohne Regeln: nie allein, immer vorher ärztlich abklären, langsam steigern. Ob See, Naturfreibad oder Kanal – ein Kurzbad reicht. „Kälte kann viel, wenn man sie respektiert“, sagt Anita, die ihr Wissen auch in ihrem Podcast „Null Grad Eiszeit“ teilt.

Das Lied von Feuer und Eis

Manche mögen’s heiß. Manche aber auch eher nicht so. Da ist der Besuch im Dampfbad des Copa Ca Backum genau das richtige. Denn hier beginnt das Sauna-Erlebnis damit, dass man erstmal einen Gang zurückschaltet. Hier entsteht ein gleichmäßiger, weicher Temperaturanstieg. Man sitzt, man atmet, man lässt den Dampf arbeiten, die Poren öffnen sich, die Atmung wird frei. Und auch optisch ist das frisch renovierte Dampfbad ein Highlight. Gedämpftes Licht in warmen Gelbtönen zieht sich entlang der Sitzbänke, während bläuliche Akzente den mittig platzierten Eisblock hervorheben. Heiß geht zwar immer, aber manchmal darf’s eben auch etwas subtiler sein, und dann ist der sanfte Dampf genau das Richtige.

17.11.2025
Herten
Copa Ca Backum 
Dampfbad 
foto: copyright  marco stepniak  -  
mobil  +49 171 2771906 ,  marco@stepniak-bild.de
Foto: Marco Stepniak

Wer hingegen gerne richtig heiß sauniert, weiß: Sauna können wir alle. Aber der eigentliche Plot-Twist kommt danach, wenn man vom warmen Kokon in das ca. 10 Grad kalte Becken geht. Erst warm wie Sonntagmorgen, dann kalt wie Realität. Der Wechsel sorgt dafür, dass sich der heiße Körper schnell runterkühlt. Der Kreislauf sortiert sich neu, die Muskeln hören auf zu meckern und im Kopf wird stoßgelüftet. Wer Kälte scheut, tastet sich hochkant ran: erst kalte Füße, dann Beine, dann kurz ganz rein. Atmen nicht vergessen. Nach ein paar Runden wird aus „bitte nicht“ ein erstaunlich gutes Ritual und Wellness mit Effekt.

copacabackum.de

Baby, it’s cold inside

Minus 87 Grad gelten selten als Wohltat, in der Kältekammer des Vest Gym aber schon. „Handschuhe, Mütze, Mundschutz und Musik auf’s Ohr“, sagt Kevin Loose (im Bild unten rechts), Trainer im Studio, der hier betreut. „Die meisten sind überrascht, wie gut man das aushält.“ Tatsächlich spricht er die Wahrheit: Die Kälte ist trocken, fast höflich. Die Leute reagieren unterschiedlich: manche hüpfen, andere stehen da wie nordische Götter der Gleichgültigkeit. Aber wofür das Ganze?

12.11.2025
Recklinghausen
Vest Gym 
Kältekammer
Karoline Jankowski testet  
foto: copyright  marco stepniak  -  
mobil  +49 171 2771906 ,  marco@stepniak-bild.de
Foto: Marco Stepniak

Der Körper antwortet auf Kälte mit einem simplen Ablauf: Gefäße zu, Gefäße auf, ein biologisches Türsteherprinzip, das die Durchblutung ankurbelt, Endorphine freisetzt, Entzündungen bremst und die Regeneration beschleunigt. Sportler schätzen das ebenso wie Rheumapatienten; ganz nebenbei profitieren Schlaf, Immunsystem und das Hautbild „Länger als 5 Minuten sollte man nicht drin bleiben“, sagt Dennis Strutz, Inhaber des Studios, in dem Frieren und Schwitzen fast symbiotisch läuft. Auf modernen E-Gym-Geräten trainiert man präzise und automatisch angepasst und kann sich danach in der Kältekammer rebooten lassen.

vestgym.de; Insta: @vest_gymw

Mini-Strand für müde Atemwege

Der BabyBeach Dorsten ist kein Strand, sondern ein kleiner Rettungsring für verstopfte Nasen. Während die Kids im Salz spielen, zieht die fein vernebelte Sole durch den Raum und wirkt sowohl bei akuter Erkältung als auch zur Vorbeugung von Infekten. Spielen plus durchatmen, dabei ein Eltern-Kind-Café. Gerade im Winter eine gute Kombi. Zweimal pro Woche wird’s bei der Erwachsenensitzung ganz ruhig: Eingekuschelt in Decken, Meeresrauschen im Hintergrund, Licht gedimmt. Fast wie Urlaub, nur ohne lange Anreise – und mit deutlich freieren Atemwegen.

babybeach-dorsten.de

Foto: Marco Stepniak

Coolness auf Kufen

Eislaufen in Dorsten fühlt sich an wie der freundlichste Shortcut des Winters: Rein in die Halle und rauf aufs Eis, das mehr bietet als Vorwärts, Rückwärts und „Aua“. Hier entscheidet sich in den ersten drei Metern, ob man elegant gleitet oder doch wieder lernt, wie Fußboden schmeckt. In den Ferien tobt hier das junge Volk und am Wochenende verwandelt sich die Halle in eine frostige Mini-Clubszene. „Disco on Ice“: DJ, Lichtshow, Nebel, und dazwischen Menschen, die versuchen, gleichzeitig lässig auszusehen und nicht hinzufallen. Es klappt selten – und genau das ist der Spaß. Ein Ort, an dem man gleitet, lacht, landet, aufsteht. Und merkt: Eis kann erstaunlich warm machen.

eissporthalle-dorsten.de

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