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Wachsen an Widersprüchen
Foto: André Chrost

Wachsen an Widersprüchen

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Angelika Herstell

Projekttag für die 8c der Martin-Luther-Europaschule in Herten. auf dem Stundenplan: das Planspiel Cannabis. Die Klasse teilt sich in kleine Gruppen mit unterschiedlichen Rollen auf. Heute gibt es Kiffer oder überzeugte Nicht-Kiffer, besorgte Eltern, Polizistinnen und Polizisten.

Sie beziehen Position, suchen Argumente, hören einander zu, rechtfertigen sich, provozieren, geben nach. Am Ende sind sich alle einig: Das war ein interessanter Tag! Ilin (15) spielt an diesem Morgen eine Polizistin. Manche Mitschülerinnen und Mitschüler in der Elternrolle fordern, die Taschen ihrer Kinder zu kontrollieren. Aber darf sie das? Will sie das? Gibt es andere Möglichkeiten? Die „Eltern“ drohen ihren „Kindern“ mit Hausarrest und werden laut. Ilin gelingt es, ruhig zu bleiben. Sie hört zu, gibt Anregungen, trägt zu einer konstruktiven Atmosphäre bei. Sie merkt: Ich bin überzeugend, werde ernst genommen – auch, wenn die Situation kippt. Das macht sie stolz.

Input, der ankommt

Das Planspiel empfinden viele der Teilnehmenden als Bereicherung. Konzipiert und angeboten wird es vom Marktplatz der Gesundheit. Das Netzwerk bringt Schulen, Vereine, Apotheken, Unternehmen und Stadtverwaltungen zusammen, um die Generation Z zu stärken. Unter der Überschrift „Our Gen Z macht Schule“ gibt es außerdem Planspiele zu Themen wie „Break the Stigma“, „Demokratie“ und „Ausbildung vs. Studium“. Gründer der Initiative ist Markus Laurenz. Über frühere Sportevents lernte er Herten kennen. „Einer der engagiertesten Standorte“, sagt er.

Heute baut er Jugendvertretungen mit auf und sieht dafür gerade in Herten viel Potenzial: „Fred Toplak und die Verwaltung sind dafür im Kopf jung genug geblieben.“ Wer zwischen 13 und 21 ist und mitgestalten will, kann mitmachen.

Mut zur Meinung

Die 8c hat sich so intensiv mit dem Thema Cannabis beschäftigt, dass danach niemand mehr sagen kann, er habe von den Risiken nichts gewusst. Ilin hat an diesem Projekttag enorm an Selbstbewusstsein gewonnen und ihrer Klassenlehrerin eine Seite von sich gezeigt, die Eindruck hinterlässt. Anne Schwarte, zugleich stellvertretende Schulleiterin, ist stolz auf ihre Klasse und freut sich schon auf das nächste Planspiel mit anderen Schülerinnen und Schülern. Die Projekte schätzt sie sehr: „Ein Input von außen ist für die Jugendlichen super“. Die Aufmerksamkeit sei sofort eine andere. „Der Marktplatz der Gesundheit unterstützt uns effektiv bei unserer wichtigen Präventionsarbeit, aus der die Schülerinnen und Schüler viel Gewinn für sich ziehen.“ Auch Ilin fasst ihre wichtigste Erkenntnis zusammen: „Man soll sich trauen, mit anderen zu sprechen und seine Meinung zu vertreten. Ohne Angst!“

Info
Martin-Luther-Schule

Martin-Luther Straße 3
45701 Herten

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